Jan
22
Es ergab sich an einem schönen Wochenende, dass ich von einem akuten Anfall von Hypochondrie befallen wurde. Eine Schwellung am Bein, die mit Sicherheit mindestens eine tiefe Beinvenenthrombose darstellte, machte mir das Leben schwer. Da ich mich auch gerade im Frei befand, konnte ich nicht so einfach bei mir in der Klinik diskret Labor abnehmen und einen vertrauensvollen Kollegen mal ganz schnell Dopplern lassen – also fühlte ich mich bemüßigt, in die Notaufnahme eines Großkrankenhauses am anderen Ende der Stadt zu fahren – weit weg, damit mich bloß keiner kennt. Ich entschied mich für die inkognito-Variante, um mich hemmungslos in meinen hypochondrischen Anwandlungen wälzen zu können, ohne, dass ich von den Kollegen dort gefragt würde, ob das jetzt WIRKLICH MEIN ERNST sei – so als Mediziner und so.
Ich schaffte es auch tatsächlich inkognito in den Untersuchungsraum und hatte das erste Gespräch mit einer sehr freundlichen Internistin hinter mich gebracht, in dem ich einfach nur brav bei allem nickte, was sie mir erklärte. Während sie mir gerade Blut abnehmen wollte, öffnete sich die Tür und eine Schwester kam herein. Sie musterte mich eine Weile.
“Ich kenne Sie doch!”, sagte sie schließlich.
“Ausgeschlossen.” erwiderte ich.
“Doch, doch… warten Sie mal… waren Sie schon mal hier?”
“Noch nie!” Mir rannte bereits der Schweiß von der Stirn.
“Warten Sie… ich kenne Sie aus dem Klinikum xyz!” Na toll, xyz ist das Krankenhaus, in dem ich tätig bin, auch das noch. Zum allem Überfluss musste ich mir eingestehen, dass die Dame mir auch verdächtig bekannt vorkam. “Ja! Da war ich bis vor ein paar Wochen noch in der Notaufnahme tätig!”, rief sie aus und überlegte angestrengt weiter. “Arbeiten Sie vielleicht im Klinikum xyz?”
“Äh…”, sagte ich und überlegte krampfhaft, wie man am besten NEIN sagt, ohne NEIN zu sagen.
“Na klar! Jetzt weiß ich’s! Sie arbeiten auch als Notärztin, richtig? Daher kenne ich Sie!” Ich wurde puterrot.
“Möglicherweise habe ich das ein oder andere Mal…”
“Ach, Sie sind Kollegin?” mischte sich die Internistin in die Debatte ein. “Welche Fachrichtung denn?”
“Anästhesie…”, nuschelte ich so leise, dass ich hoffte, sie würde es vielleicht nicht hören.
“Sie sind Anästhesistin? Und dann ist dieser Mückenstich hier WIRKLICH IHR ERNST?”
Ja… das war wohl nichts.
Jan
20
“Was’n los, Dackel gestorben?”, fragte ich in meiner üblich charmanten Art, als ich Claudius in der Stationsküche sitzen sah. Der Student sah aus wie ein begossener Pudel.
“Fast.”, erwiderte er. Dabei schluchzte er herzzerreißend. Ich brachte es nicht über mich, einfach weiterzugehen, denn Claudius war einer der netten Studenten. Also setzte ich mich.
“Sprich.”, forderte ich ihn auf. Er seufzte lang und spielte dabei mit seiner Kaffeetasse.
“Es geht um mein Examen.” Ach so. Ich dachte schon, es sei vielleicht etwas Spannendes.
“Was ist damit? Hast du Angst, du könntest durchfallen? Brauchst du nicht, du machst das alles super!”
Er lächelte mich dankbar an. “Danke, aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist meine Examenszulassung. In drei Tagen ist Anmeldeschluss und ich habe meine Unterlagen schon vor Wochen eingereicht. Jetzt habe ich ja bis letztes Jahr in einem anderen Bundesland studiert. Ich habe mir vom dortigen Landesprüfungsamt alle Unterlagen besorgt und jeden einzelnen Schein hier eingereicht. Ich habe es genau nach Vorschrift gemacht. Mehrfach musste ich in meine alte Heimat fahren, um noch Scheine umschreiben zu lassen, weil irgendwas nicht passte, aber jetzt dachte ich, ich hab alles.”
“Und dem ist nicht so?”, fragte ich, obwohl ich die Antwort schon kannte. Es gibt wohl keinen Studenten oder jungen Assistenzarzt, der noch keine Kämpfe mit den Bürokraten von Landesprüfungsamt oder Ärztekammer hat ausstehen müssen.
Claudius schüttelte betrübt den Kopf. “Jetzt gefällt ihnen mein Pädiatrie-Schein nicht.”
“Was gibt es denn daran auszusetzen?” Ich konnte mir zwar einiges vorstellen, was es daran auszusetzen geben könnte, aber auf das, was kam, war ich echt nicht gefasst.
“Nun, auf meinem Schein steht drauf, dass ich den Kurs und die Prüfung im Fach Pädiatrie bestanden habe.” So weit, so gut. “Das Landesprüfungsamt will den Schein aber so nicht anerkennen. Da darf hier nämlich nicht ‘Pädiatrie’ draufstehen, das muss ‘Kinderheilkunde’ heißen.” Er schluchzte wieder.
“Aber das ist doch das gleiche!”, rief ich aus. Er zuckte mit den Schultern.
“Klar ist es das, aber das Landesprüfungsamt wird das so nicht anerkennen. Und ich bekomme innerhalb von drei Tagen keinen neuen Schein aus der Heimat. Das geht einfach nicht. Dann kann ich erst in einem halben Jahr Examen machen. Und das nur, weil dem Landesprüfungsamt ein Wort nicht gefällt!”
Was soll man dazu sagen? Der Amtsschimmel wiehert mal wieder.
Claudius rief am nächsten Tag nochmals beim LPA an, erwischte einen anderen Sachbearbeiter, der anscheinend einen besseren Tag hatte. Dieser nahm sich der Sache an und winkte den Pädiatrie-Schein durch. Claudius machte daraufhin ein exzellentes Examen und arbeitet jetzt als Assistenzarzt in der Pädiatrie. Oder Kinderheilkunde.
Jan
15
Mal nur so am Rande… ich bin ja auch ein bequemer Mensch und habe nichts dagegen, mir das Leben einfach zu machen. Gleichzeitig habe ich eine Vorliebe für korrekte Orthographie und Interpunktion. Daher macht es mich ganz kirre, wenn meine Mitmenschen auf diese nicht ausgereifte Diktierfunktion zurückgreifen, wenn sie mit mir kommunizieren wollen. Es macht mich wahnsinnig, wenn ich eine Nachricht auch noch dahingehend interpretieren muss, was sie heißen könnte. Aktuelles Beispiel, gerade kam eine Nachricht rein, die da lautet:
Hat er schon gemacht er ist trotzdem Fuchs sich
Hmm… was ist er? Ein Fuchs? Er verwandelt sich in einen Fuchs?
oder das hier, auch schön:
Wozu brauchen werben
Aus dem Kontext kann ich entnehmen, dass es wahrscheinlich heißen soll: Wozu brauche ich Verben? Aber sicher bin ich mir da nicht…
Oder vielleicht möchte mir bei diesem Satz jemand helfen?
Der Diesel Papa Deiniges nix hab ich gemacht
Aus dem Kontext kann ich hier nicht entnehmen, was mein Vater oder Diesel mit der Diskussion zu tun haben könnten.
Ich werde mich wohl weiterhin auf das Tippen verlegen.
Jan
12
Bevor wieder jemand fragt, nächster geschilderter Fall ist nur zur ANSCHAUUNG dargelegt und reine Fiktion…
Die Studentin stand neben mir in der Einleitung und sah mir interessiert bei Legen eines zentralvenösen Katheters zu. Frau Müller war dement und 90 Jahre alt, trotzdem musste sie sich noch einem größeren intraabdominellen Eingriff unterziehen. Die Liste ihrer Vorerkrankungen war so lang wie mein Arm. Herzinsuffizienz, Diabetes, Vorhofflimmern… um nur einige zu nennen. Geduldig erklärte ich der Studentin, wie ich beim Legen des Katheters vorging.
“Du stichst mit der Nadel hier neben der Arteria carotis ein und hoffst, dass du daneben die Vena jugularis intern findest.” Ich stach der guten Frau in den Hals und hatte das seltene Glück, das Gefäß nicht wie sonst erst nach längeren Manipulationen zu treffen. “… dann aspirierst du, und wenn es so aussieht, als könne es venös sein, also nicht hellrot ist und beim Abnehmen der spritze pulsatil heraussprudelt, dann legst du den Draht ein.” Ich nahm den Seldinger Draht vom Tablett und schob ihn vor. Ich hatte einen guten Tag, er verfing sich nicht irgendwo, sondern ging gerade durch. “Wo soll der Draht denn hingehen?”, fragte ich die Studentin. Sie überlegte kurz. “Also, idealerweise geht er in Richtung des rechten Vorhofs und schlägt nicht vorher in irgendein anderes Gefäß um.” Ich nickte begeistert hinter meinem Mundschutz. “Und wie bekomme ich einen starken Hinweis, dass ich mit meinem Draht richtig liege?”, schob ich enthusiastisch nach. Sie überlegte erneut.
“Das weiß ich leider nicht.”
“Macht nichts!” Mein Lehreifer war ungebrochen. “Pass auf, was liegt denn im rechten Vorhof für eine wichtige Struktur?”
“Der Sinusknoten?” Die Studentin hatte vor Aufregung schon ganz rote Wangen.
“Richtig! Wenn ich also meinen Draht ein wenig hin und her bewege…” Ich vollführte eben diese Bewegung mit dem Draht. “…dann sehe ich kurzzeitig im EKG Extrasystolen.” Das ist der Moment, in dem wahrscheinlich jeder medizinisch gebildete Mensch entsetzt die Luft anhält. Tatsächlich, auf dem Monitor zeigten sich nicht nur kurz Extrasystolen, sondern etwas, das man mit viel gutem Willen als Vorhofaktionen ohne Überleitung bezeichnen könnte. Was heißt das? Nun, das Herz schlägt gerade nicht… eine halbe Monitorlänge und ein entsetzter Schrei der Studentin später setzt glücklicherweise wieder eine normale Herzaktion ein.
Und ich durfte der Studentin erklären, dass man bei Patienten mit Vorhofflimmern solche Aktionen doch tunlichst unterlassen sollte. Aus den eben dargelegten Gründen. Und wieder einer für die Kategorie: Satz mit X…
Jan
3
Es stand mal wieder Studentenunterricht an. Mit mäßiger Begeisterung zerrte ich drei Exemplare dieser Gattung über die Intensivstation.
“Und hier haben wir Herrn Keller. Septisches Multiorganversagen. Um welche Organe handelt es sich? Blickdiagnose?”, fragte ich in meiner üblich charmanten Art. Die zukünftigen Hoffnungsträger des Medizinbetriebs schwiegen eisern.
“Was ist denn das da?”, fragte ich und zeigte auf einen grauen, blinkenden Kasten, aus dem Schläuche mit einer roten Flüssigkeit in Richtung Patient liefen und wieder zurück.
“Ein Hämofilter?”, flüsterte die kleine Rothaarige zaghaft.
“Ach, ein Hämofilter?”, gab ich bissig zurück. “Tatsächlich. Ein Hämofilter. Also, um welches Organ handelt es sich dann wohl?”
“Niere?”, kam es schüchtern von der anderen Seite.
“Natürlich Niere! Hätte man eigentlich wissen können.” Ich biss mir auf die Lippen, um nicht noch was Gemeines hinterherzuschieben. Dann dozierte ich kurz über Nierenersatzverfahren. “So, dann weiter, welches Organ bereitet auch Schwierigkeiten? Na?” Wieder eisernes Schweigen. Ich drehte genervt die Augen gen Himmel. Diese Studenten sind aber auch nicht das, was sie mal waren. “Was ist denn das da?”, fragte ich schließlich zunehmend gereizt und zeigte auf einen weiteren grauen Kasten mit buntem Bildschirm.”
“Ein Beatmungsgerät?”, fragte Goldlöckchen leise.
“Genau, ein Beatmungsgerät. Hängt am Patienten, nicht wahr?” Zögerliches Nicken. “Woran genau?” Irritierte Blicke. “Was ist das da am Hals?”, rief ich und fuchtelte dabei vor meinem eigenen Hals herum.
“Tracheostoma?”, fragte Goldlöckchen.
“Tatsächlich? Also, wenn das ein Tracheostoma ist und der Kasten ein Beatmungsgerät, welches Organ betrachten wir also?”
“Lunge.”, sagte Goldkettchen schließlich.
Theatralisch warf ich die Arme zum Himmel. “Na endlich! Lunge! Hätte man eigentlich wissen können!” Dann dozierte ich eine Weile über die verschiedenen Beatmungsformen. “Und was hat die Lunge? Kann man auch sehen!” Wieder unbequemes Schweigen. “PiCCO? Hämodynamisches Monitoring?” Ich fuchtelte jetzt mit der Hand vor dem nächsten Monitor. “Na? ELWI hoch, PVPI hoch? Was sagt uns das wahrscheinlich???” Energisch tippte ich auf den Monitor und die entsprechenden Werte. Keine Antwort von den Zuschauerrängen. “Lungenentzündung!”, gab ich die Antwort selbst. “Hätte man eigentlich wissen können.” Ich blickte auf meine Uhr. Ich würde das schnell beenden können. Da erdreistete sich Goldkettchen tatsächlich noch, eine Frage zu stellen. “Was ist denn eigentlich die Grunderkrankung des Patienten?”, fragte er ganz unschuldig. Ich öffnete meinen Mund und schloss ihn dann schnell wieder. Grunderkrankung? Ich dachte angestrengt nach. Wiederaufnahme wegen Platzbauch… das wusste ich, aber was war denn gleich die Grunderkrankung? Irgendwas war operiert worden, aber was? Ich blickte hektisch umher. Es gab ein paar Drainagen, aber sie förderten nichts Interessantes. Ein Vacuseal-Verband, aber auch der förderte kein richtungsweisendes Sekret. Was war es also nochmal? Hemicolectomie? PPPD? Whipple? Ich hyperventilierte leicht. Die Grunderkrankung… Mist, Mist Mist!
“Äh, äh…”, stammelte ich. “Also ich… äh… ist operiert worden…”
“Ach?”, sagte Goldlöckchen.
Mit zitternder Hand drehte ich schnell die Patientenkurve an und sah auf das Aufnahmeblatt. Da stand es ja.
“Pancreas-Carcinom!” rief ich erleichtert. “Er hat ein Pankreas-Carcinom und ist gewhipplet worden.” Der Schweiß ließ mir in Strömen die Stirn hinunter.
“Hätte man eigentlich wissen können.” bemerkte Goldkettchen trocken.
Mit hängendem Kopf schlich ich von Station.
Jan
1
Nach Abklingen des Katers habe ich meine guten Vorsätze für 2012 nochmals revidiert. Mögen Sie Euch als Anregung dienen.
1. immer meistens manchmal wenigstens einen Tag pro Woche vegan leben
2. Ivan endlich ins Tierheim geben nett behandeln
3. Den Patienten beim Einschlafen nicht mehr das Intro der Muppet Show vorsingen
4. Langsam mal daran denken, Abitur Facharzt zu machen
5. Endlich mal nachlesen, wie das weiße Zeug heißt, das wir da immer zum Einleiten spritzen
6. Willi nett behandeln nur noch einmal pro Woche demütigen
7. Einen Fachartikel über die Intubation bei Katzen zu verfassen, basierend auf extensiven Experimenten
8. Die Weltherrschaft übernehmen
Ich wünsche Euch allen ein frohes Neues und bleibt mir auch dieses Jahr treu! Bis die Tage…
Dez
22
Die meisten Damen (und sicherlich auch einige Herren) werden mir sicher zustimmen, dass das mit dem Friseur immer so eine heikle Sache ist. Gehe ich zum 10 Euro Friseur (und sehe hinterher auch so aus) oder gehe ich doch lieber gleich zu Vidal Sassoon, zahle 100 Euro dafür, lasse mich dafür eine Stunde lang vollquatschen und hinterher sieht eh keiner, wie teuer mein Haarschnitt war? Lange Zeit war ich davon überzeugt, nur wenn es teuer ist, kann der Haarschnitt überhaupt was taugen. Doch jedes Mal habe ich mich ärgern müssen. Meine Haare lösen bei modisch gestylten und hippen jungen Friseurinnen und Friseuren immer den gleichen Reflex aus: “Das müssen wir unbedingt stufen! Dann fällt das viel besser!” Ich hasse Stufen. Mit Stufen sehe ich aus wie ein Wischmop, den man in die Steckdose gesteckt hat. Warum versteht das denn keiner? Meistens gebe ich dann nach und denke mir, für 100 Euro werden die schon wissen, was sie tun, schließlich bezahlte ich ja auch dafür, dass die da ein wenig dran rumschneiden – und gehe dann gefrustet als 100-Euro-Wischmop aus dem Laden. Entsprechend ungern gehe ich auch zum Friseur.
Vor ein paar Wochen musste es aber dringend mal wieder sein. Ich sah aus wie ein rausgewachsener Wischmop, mein Anblick erinnerte mich an eine seltsame Promenadenmischung, der Pony so lang, dass ich bequem als Mitglied des Ensembles der Muppet Show durchgehen konnte. Ich hatte allerdings Besuch und nicht viel Zeit, gerade war ich in der Stadt unterwegs. Termin ausmachen? Unmöglich. Ich rannte in das nächste große Kaufhaus und ging dort zu Essanelle. Ob man mich noch schnell drannehmen könnte? Etwas kritisch beäugte ich das sonstige Klientel, eher so ältere Damen mit Dauerwelle. Ja, Maria habe noch Zeit, sagte man mir. Maria entsprach nicht so ganz dem, was ich sonst so an Friseurinnen gewohnt war. Sie war etwa 60 Jahre alt und weder besonders hip gestylt, noch hatte sie sonst irgend etwas gemein mit den Damen vom Pony Club. Ich war etwas besorgt. Maria ging jedoch zügig ans Werk.
“Was machen wir denn?” fragte sie.
“Keine Stufen!” versuchte ich es mal wieder.
“Ok.” sagte sie. Das war aber einfach. Fachmännisch untersuchte sie mein Haupthaar.
“Pony selber geschnitten?” fragte sie kühl. Ich wurde rot, aber wenn der Friseur immer so teuer ist, kann ich ja nicht wegen Pony schneiden jedes Mal da hinrennen, da werde ich ja arm! “Sieht man.” beantwortete sie ihre Frage selbst. Dann machte sie sich an das übliche Programm – Haare waschen (überraschend liebevoll) und los ging’s. Etwa eine halbe Stunde schnitt sie daran herum.
“Und das war zu viel Pony das letzte Mal!” keuchte ich noch.
“Ok.” sagte sie. Und schnitt die Haare genau so, wie ich sie haben wollte. Ohne Stufen, ohne Megapony. “Mit Mittelscheitel sieht das aber besser aus.” sagte sie und zog meinen Scheitel neu. Recht hatte sie. Sie versuchte nicht, mir irgendwelche teuren Kuren oder Stylingprodukte aufzuquatschen oder mir am Ende noch die Haare zu fönen (das kann ich selbst eh besser). Das Ganze für 23 Euro. Ich war perplex. Ich ging raus und konnte mich im Spiegel anschauen. Ich hatte einen vernünftigen Haarschnitt, ohne diese bescheuerten Stufen und fand mich echt annehmbar. Keiner hatte an mir herumexperimentiert und ich musste mir auch nicht zu Hause sofort die Haare waschen. Das Beste – der Schnitt hielt 10 Wochen. Heute dachte ich mir dann, ich sollte vielleicht doch mal wieder etwas Form reinbringen lassen. Ich ging wieder zu Essanelle. Wieder zu Maria.
“Ach, da sind Sie ja wieder.” begrüßte sie mich. “Letztes Mal waren Sie an einem Samstag da. Ich erinnere mich. Mittelscheitel und keine Stufen, nicht wahr?”
Da war ich echt baff.
Dez
22
Leider ist es so, dass es vor Weihnachten “Balthasar und die Kunst des Heilens” weiterhin nur als eBook für den Kindle über Amazon zu beziehen sein wird. Medizynicus und ich arbeiten daran, es als eBook auch auf anderen Plattformen und in anderen Formaten verfügbar zu machen (z.B. bei libri.de), aber die Technik macht uns da zur Zeit noch einen Strich durch die Rechnung. Ich hoffe, dass es im Januar so weit sein wird, dass auch Leser mit Sony Reader etc. auf ihre Kosten kommen. Bis dahin empfehle ich die Printversion
Dez
20
“Mein Zimmernachbar hatte auch so eine Spinale.”
“Soso.” sage ich.
“Ja, da konnte er dann die Beine eine zeitlang nicht rühren, aber er war die ganze Zeit wach!”
“Tatsächlich?”
“Genau!” Herr Meier machte eine ausladende Handbewegung. “Ganz toll fand er das. War nicht so wuschig im Kopf hinterher, wissen Sie?”
“Kann ich mir vorstellen.”
“Ich will auch so eine Spinale haben!”
“Wirklich?”
“Ja! Unbedingt!”
Ich werfe nochmals einen Blick in die Unterlagen.
“Herr Meier… was operieren wir denn bei Ihnen?”
“Die Hand!”
“Die Hand?”
“Ja, die Hand!”
“Herr Meier… meinen Sie, das ist so sinnvoll, wenn wir Ihnen die Beine betäuben, wenn Sie an der Hand operiert werden?”
Herr Meier stutzt einen Moment. “Das geht nicht?”
“Nein, das geht sicher nicht.”
“Hm.”
“Wie können aber nur den Arm betäuben. Das ist dann so, als würde der Arm einschlafen, aber Sie sind noch wach, aber Sie spüren und sehen nichts von der Operation.”
“Nein, also so etwas will ich wirklich nicht! Das stelle ich mir ja ganz schrecklich vor! Wer macht denn so etwas?”
Gedanklich schlage ich mehrfach mit dem Kopf auf die Tischplatte.
“Gut, dann eben nicht.”
“Nein, da schlaf ich lieber.”
“Ok. Dann also eine Vollnarkose.”
“Arm betäuben… Also nein, wo kommen wir denn da hin?” Herr Meier schüttelt noch im Rausgehen den Kopf.
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